Mit einem Schritt in das schwankende Ruderboot verlässt man den Herrschaftsbereich des Alltags, gewinnt Abstand und lässt nach dem Ablegen vom Steg vieles hinter sich. Im Gleichtakt der Ruderblätter und dem gurgelnden Wasser unter sich kann sich das Denken leichter verlieren, die Gedanken werden freier. Es ist viel von beruflichen und gesellschaftlichen Schlüsselfunktionen wie Sozialkompetenz und Teamfähigkeit die Rede. Auf der Wunschliste der Arbeitgeber stehen sie ganz oben und mit an vorderster Stelle. Das Rudern und nicht zuletzt in seiner hohen Form als gemeinsame Ruderwanderfahrt sind für die Vorbereitung, Aneignung und Übung solcher Kompetenzen ein bestens geeignetes Trainingsfeld. Rudern ist zwar eine eigenartige Art der menschlichen Fortbewegung, dennoch vielleicht eine sehr philosophische: ein Ruderer fährt zwar vorwärts, blickt dabei trotzdem immer nur zurück. Rudern ermöglicht durch gleichzeitiges Vorwärtsfahren und Rückwärtsschauen, mit dem Durchfahren einer schon verlassenen Gegenwart, eine besondere Wahrnehmung der Welt und sein Verhältnis zu ihr. Ein Ruderer durchfährt eine Gegenwart, die schon hinter ihm liegt. Alles was er beim Vorwärtsfahren rückwärtsschauend wahrnimmt, ist schon vergangen. Mag sein, dass solches nicht nur die Wahrnehmung, sondern auch die Person eines Ruderers selbst zu prägen vermag.
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