Der Verzicht auf eigenwillige Blickwinkel oder andere Verfremdungen, die Konzentration auf die Wiedergabe der Dinge entsprechen dem fotografischen Verständnis eines Fliegers wie Ernst Becker. Die Wahrheit sucht er in der Ruhe, in der Wiederholung, in den dauerhaften Phänomenen. So dachte der Flieger seine Pinselarbeit als potentiell endlos nach allen Seiten weiterführbare Tätigkeit. Die Subjektivität von Ernst Becker stand über allen Normen und Zwängen, eben als Fortführung der Freiheit des Fliegens. Becker schuf Bilder, deren Farbe er bearbeitete wie Wind und Wetter den Boden, die Erde, das Gestein. Bilder, die er mit Farbe vollspachtelte, um in ihr mit dem Pinsel und Finger zu schürfen, Formationen aufzutürmen, Krater und Spalten in sie hinein zu kratzen. Wie in Gesteinsformationen schuf Becker aus Baumwurzeln Gesichter aus einer Märchenwelt, Dinge und Muster die er in alltäglichen Gegenständen zu erkennen vermochte. An einem Neujahrstag in seiner Zeit als Kriegsgefangener schrieb der Flieger: bleibet bunter Bilder Traum, so grau ist der Tag, so grau ---- und das was kommen mag, jetzt noch verhüllt – wird grau – Traum, du warst kurz! Dein Sturz ins „Gestern“ zurück – du denkst das Glück. Damals Geliebte, fiel leise der Schnee, als wir Abschied nahmen. In dem großen Weh, Dir die Tränen kamen. Glück du Eintagsfliege – an deiner Wiege die große Trennung stand! Ist dein schwebender Flug verweht --- ? Im fremden Land kann ich nicht vergessen.
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