Was auf der Welt oder bei Klassentreffen auch immer geschieht kann in Texten vermeldet, beschrieben und kommentiert werden. Von Leuten, denen hoffentlich beim Schreiben bewusst war, wie vorläufig, revidierbar und irrtumsanfällig solche Reflexionen und Meldungen immer sein werden. Für gute Erzählungen braucht es dabei nicht nur Sachverstand, sondern fast immer auch Geistesgegenwart. Man sollte sein Publikum nicht unterschätzen oder unterfordern. Abi63-Leute muss man nicht immer irgendwo „abholen“ sondern die sind sehr wohl in der Lage, Sprünge weit über sich selbst hinaus zu machen, wenn man sie nur lässt. Gut kann es vor allem werden, wo Ereignisse nicht sofort mit der Brechstange auf den kleinsten gemeinsamen Nenner gebracht werden, Schwieriges auch manchmal unbeantwortet gelassen und trotzdem von niemandem unverstanden bleibt. Wenn nicht immer nur eine Ideologie der Eindeutigkeit herrscht und alles um einen herum darauf ausgelegt wird, immer nur unzweideutig, abgeschlossen und widerspruchsfrei zu sein wie ein Gefühl dickwattierter Unwirklichkeit. Klassenfeste müssen mit ihren Erzählungen keine Literaturpreise gewinnen: Hauptsache, dass am Schluss keine Frage offen-, kein Widerspruch unaufgelöst, kein Abgrund unausgeleuchtet bleibt.