Zeitgeist und Atemlosigkeit: Leben im Eiltempo - rasende Digitalisierung – Verdichtung und Reaktionszeiten. Schneller ist besser: so das allgemeine Credo. Zeiten einer nie dagewesenen Beschleunigung reißen auch das Arbeitsleben mit. Kaum drei Jahrzehnte ist es her, also noch ein Bürobote gemächlich mit der Hauspost daherkam. Alles Schnee von gestern: wie viel Zeit lässt sich heute sparen. Und wie vielfältig sind die Möglichkeiten, was man mit dieser Zeiteinsparung alles tun könnte. Ein Leben im Eiltempo wird jedoch nicht von allen gleichermaßen bejubelt. So manche meinen: Atemlosigkeit habe sich ihrer bemächtigt. Beschleunigung wird eher als Belastung empfunden. Der Kern liegt in den rasenden Fortschritten der Digitalisierung, die jede Form der Informationsbeschaffung und Informationsverarbeitung mit ungeheurer Schnelligkeit erlaubt. Allerdings sind mit diesen Errungenschaften gleichzeitig auch die Handlungserwartungen in die Höhe geschnellt: man kann und muss schneller reagieren, schneller entscheiden, sich schneller zurückmelden, schneller arbeiten und mehr Dinge in der gleichen Zeit erledigen. Beruflich und privat quasi in Echtzeit mit Reaktionszeiten, die gegen Null tendieren. Die Innovationsverdichtung ist fortwährend auf Wachstum getrimmt. Mehr Lebenstempo verengt gleichzeitig Autonomiespielräume. Obwohl die ganze Digitalisierung nicht auch zuletzt deshalb erfunden wurde und dazu dienen sollte, Freiheitsgrade zu erhöhen. Die Wucht der Beschleunigung konnte vor wenigen Jahrzehnten kaum erahnt werden und wird mittlerweile unter Überschriften wie beispielsweise Zeitwohlstand, Zeitnotstand oder Zeitsouveränität heiß diskutiert.